Natürlich könnte die Idee, Hypnose in der Psychotherapie einzusetzen, zuerst einmal befremdlich anmuten. Warum sollte man das machen und welcher Nutzen ergibt sich dadurch für den Klienten? Warum nicht einfach eine Verhaltenstherapie oder eine Gesprächstherapie machen? Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, von welchen ich einige im Folgenden kurz näher erklären möchte.

Hypnose als Zugang zum Unterbewusstsein

Wenn Sie beispielsweise eine Gesprächstherapie oder eine Verhaltenstherapie machen, dann sind sie sehr stark im bewussten Denken. Sie sprechen im Wachzustand über ihr Problem und Sie versuchen, mit dem rationalen Verstand Lösungen zu finden. Wenn wir uns jedoch klar machen, dass maximal 5% unseres Denkens auf bewussten Prozessen beruht und mindestens 95% unseres Denkens unbewusst verläuft, dann wird klar, dass man mit solchen Therapieformen sehr viel Potential verschenkt.

Dieses Problem kann mit Hilfe von Hypnotherapie, also der therapeutischen Hypnose, vermieden werden. Hypnose ist ein Zugang zu unserem Unterbewusstsein mit Hilfe von Trancezuständen. Dieser Umstand wird z. B. bei der Technik der Ideomotorik ausgenutzt, bei welcher das Unterbewusstsein des Klienten Fragen über das Symptom mit Hilfe von unwillkürlichen Fingersignalen beantwortet, indem es wie automatisch den Ja- oder Nein-Finger bewegt.

Realistisches Erleben in Hypnose

Bei uns Menschen geschieht Veränderung durch Lernerfahrungen. Unser Probleme haben wir gelernt, und genauso können wir sie auch wieder verlernen. Eine große Hilfe ist dabei die hypnotische Trance. In diesem nach innen gerichteten Zustand ist es möglich, sich von den Fesseln des Alltagsbewusstseins zu befreien und, ähnlich wie in einem Traum, die vorgestellten Dinge sehr realistisch zu erleben. Doch wofür ist das konkret nützlich?

Angenommen ein Klient ist völlig gefangen in seiner Angst und kann sich ein Leben ohne diese quälenden Ängste nicht mehr vorstellen. Wenn er jetzt doch in Trance auf allen Sinneskanälen imaginiert, wie er sein Leben sicher und mutig gestaltet, dann hat er in diesem Moment eine emotionale Lernerfahrung gemacht, welche ein Gegengewicht zu seinen Angsterfahrungen darstellt.

Ein anderes Beispiel könnte ein Klient sein, welcher in seiner Kindheit immer allein war und sich einsam fühlte. Vielleicht spürt er diese Einsamkeit bis heute noch auf sehr belastende Art und Weise. Dieser Mensch kann nun in Trance realistisch erleben, wie er sich um dieses Kind kümmert und ihm Nähe und Liebe schenkt. Und diese Vorstellung dann sogar noch einmal aus der Perspektive des Kindes neu erleben. Dadurch können sich diese alten belastenden Emotionen beruhigen und Situationen des aktuellen Lebens, welche ihn unbewusst an seine Kindheit erinnern, können diese alten Gefühle von Einsamkeit nicht mehr zurückholen.

Assoziative Verknüpfungen

Unser Gehirn funktioniert über Assoziationen. Alles was wir erleben wird im Unterbewusstsein sofort darauf geprüft, ob es potenziell gefährlich ist. Wenn z. B. ein Mensch eine Rattenphobie hat, dann ist in seinem Unterbewusstsein eine Ratte fest mit höchster Gefahr assoziiert, weshalb er beim Anblick einer Ratte große Angst bekommt. Mit Hilfe von Hypnose kann so eine Verknüpfung aufgelöst und sogar überschrieben werden. Im Optimalfall könnte das dann so aussehen, dass eine Ratte in Zukunft nicht mehr mit Angst und Panik, sondern mit Ruhe und Gelassenheit assoziiert wird.