Trauma und seine SymptomeJeder von uns hat in seinem Leben schon sehr belastende Momente erlebt. Beispielsweise Momente starker Angst oder Hilflosigkeit. Solche Erlebnisse können noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf unser Leben haben. Ein Kind, das oft geschlagen wird, könnte als Erwachsener vielleicht unter einem niedrigen Selbstbewusstsein leiden oder sehr stark auf Kritik anderer Menschen reagieren. Oder ein Kind, dessen Eltern sich scheiden ließen, könnte als als Erwachsener vielleicht starke Verlustängste entwickeln. Oder jemand, der einen Autounfall erlebt hat, und danach große Angst vor dem Autofahren hat.

Posttraumatische Belastungsstörung

In manchen Situationen wird die emotionale Belastung für einen Menschen durch Empfindungen wie Todesangst, extreme Hilflosigkeit und Machtlosigkeit sogar so groß, dass dieser Stress die normale Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns übersteigt. Wenn das Erlebnis subjektiv schlimm genug war, dann kann sich in der Folge eine sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln.

Symptome einer PTBS können sein:

  • Wiederkehrende und eindringliche belastende Erinnerungen (Bildern, Gedanken, Wahrnehmungen)
  • Wiederkehrende belastende Träume
  • Bewusstes Vermeiden von Gedanken, Gefühlen oder Gesprächen in Bezug auf das Trauma
  • Bewusstes Vermeiden von Aktivitäten, Orten oder Menschen, die Erinnerungen wachrufen
  • Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern
  • Anhaltende Symptome erhöhter Erregung
  • Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen
  • Reizbarkeit oder Wutausbrüche
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Übertriebene Schreckreaktionen

Ob ein Mensch nach einem traumatischen Lebensereignis eine PTBS entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Unter anderem von der generellen Verwundbarkeit, vorangehenden Traumata, der Unterstützung durch Familie/Freunde etc.

Effektive Traumatherapie

In der klassischen Psychotherapie werden Traumata häufig durch Gespräche behandelt. Empathisches Zuhören des Therapeuten, das darüber Sprechen zur Verarbeitung sowie das Verstehen und neu Einsortieren des Erlebten sollen dem Betroffenen dabei Erleichterung verschaffen.

Allerdings sind diese Herangehensweisen bei starken Traumata in ihrer Wirksamkeit sehr beschränkt. Die Therapiedauer ist lang, die Ergebnisse meist eher bescheiden. Deutlich effektivere Methoden der Traumatherapie sind Methoden aus der Körperpsychotherapie wie EFT, der Hypnotherapie / Imagination sowie EMDR. All diese Methoden haben gemeinsam, dass das Sprechen weniger im Vordergrund steht, sondern emotionale Veränderungen nonverbal geschehen. Sprache ist eher Hilfsmittel, um den therapeutischen Prozess anzuleiten, es ist jedoch nicht das Mittel der Therapie. Im Folgenden möchte ich diese Methoden kurz erklären.

Körperpsychotherapie (EFT)

In der Körperpsychotherapie geht es daraum, mit dem Körper zu arbeiten, um emotionale Veränderungen zu bewirken. Das macht insofern viel Sinn, dass Emotionen und der Körper untrennbar miteinander verbunden sind. Der Körper ist die Bühne der Emotionen, man kann keine Emotionen spüren, ohne körperliche Reaktionen dabei zu haben (wenngleich viele Menschen sich von ihrem Körper so abgetrennt fühlen, dass sie diese körperlichen Reaktionen kaum spüren). Oder in anderen Worten: Wir merken, dass wir Emotionen haben, weil wir sie körperlich fühlen.

Wenn in der Körperpsychotherapie also über unterschiedliche Methoden der Körper in einen guten Zustand gebracht wird, während gleichzeitig der Kontakt mit einem Trauma aufrecht erhalten wird, dann sinkt automatisch die emotionale Belastung zu dieser Erinnerung.

Eine besonders spannende Methode der Körperpsychotherapie sind die Emotional Freedom Techniques (kurz: EFT). Bei dieser Methode wird der Körper durch klopfende Stimulation von Akupunkturpunkten in einen ruhigen und entspannten Zustand versetzt, so dass sich belastende Emotionen oft sehr schnell auflösen können. Sie finden mehr zu dieser Methode in meinem Kapitel zu Traumatherapie mit EFT.

Hypnose und Imagination

Hypnose und Imaginationstechniken sind eng mit einander verwandt, die Überschneidungen sind groß. In der Hypnotherapie ist es durch nach innen gerichtete Trancezustände möglich, sehr intensive emotionale Erfahrungen zu machen. Man kann damit zum Beispiel Ressourcen (Schutz, Stärke, Entspannung, etc.) aktivieren, und diese Ressourcen in das Trauma einfügen, so dass dieses völlig neu bewertet und erlebt wird. Mit Hilfe der aktivierten Ressourcen kann das Erlebnis dann in einem völlig neuen Kontext emotional neu erlebt und so das Trauma aufgelöst werden.

In diesem Prozess können Imaginationen eine große Rolle spielen, zwangsläufig notwendig ist es jedoch nicht. Viele Menschen sind nicht sehr visuell veranlagt, sondern können Ressourcen eher körperlich aktivieren, was natürlich in einer Hypnose-Therapie ebenfalls sehr gut nutzbar ist.

Wenn Sie mehr über Hypnose und Hypnotherapie erfahren möchten, dann finden besuchen Sie meine Überblicksseiten zur Hypnose.

EMDR

Die bereits genannten Verfahren sind meist sehr wirkungsvoll, haben jedoch einen Nachteil: Sie werden (noch) nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Hypnose wird zwar zu sehr geringen Anteilen bezahlt, das ist jedoch für eine intensive Therapie meist zu wenig.

Eine von den gesetzlichen Krankenkassen übernommene und sehr effektive Traumatherapiemethode ist EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Bei dieser Methode bewegt der Patient, geführt durch den Therapeuten, die Augen horizontal hin und her, während er gleichzeitig auf sein zu bearbeitendes Trauma fokussiert. Durch diese Augenbewegungen, welche der REM-Phase des Träumens ähnelt, beginnt der Patient sein Trauma auf tiefer Ebene zu verarbeiten. Häufig wird die Wirksamkeit dieser Methode dadurch erklärt, dass linke und rechte Gehirnhälfte abwechselnd stimuliert werden, so dass eine Verarbeitung stattfinden kann.

Anstatt der Augenbewegungen werden auch häufig wechselseitige Klänge über einen Kopfhörer eingespielt oder der Körper wechselseitig durch Klopfen oder Vibrationen stimuliert. Hier sehe ich auch große Parallelen zum EFT, welches ebenfalls über Körperstimulation arbeitet.

  • Wenngleich EMDR eine tolle Methode in der Traumatherapie darstellt, hat sie doch ein paar Nachteile im Vergleich zum EFT:
    Mit EMDR ist es schwerer, starke emotionale Abreaktionen in der Therapie aufzufangen bzw. zu vermeiden, als dies mit EFT der Fall ist.
  • EMDR ist darauf ausgelegt, dass der Therapeut die wechselseitige Stimulation leitet. Dadurch macht der Patient nicht die Erfahrung, aktiv und selbstkontrolliert seine Emotionen verändern zu können.
  • Beim EFT kann der Patient die erlernten Klopftechniken zuhause anwenden, um Stress durch zwischen den Therapiesitzungen auftretende Verareitungsreaktionen zu reduzieren. Im EMDR ist das nicht so leicht möglich, hier muss der Patient alternative Techniken erlernen.
  • EMDR wird nur von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt, wenn es von einem psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt wird. Die Wartezeiten sind hier oft sehr lang.

Weitergehende Informationen zu EMDR finden sie auf der Seite der EMDRIA.